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Bootsfahrt von See zu See

Per Hausboot unterwegs auf der masurischen Seenplatte


Sehnsuchtsziel Masuren

Unglaubliche 3000 Seen soll es in Masuren/ Ermland (Westmasuren) geben, die z.T. durch Kanäle miteinander verbunden sind. Naheliegend also, die große masurische Seenplatte um die Hauptorte Giżycko (Lötzen) und Mikołajki (Nikolaiken) und das sogenannte „Masurische Meer“, der 114qkm  Jezioro Śniardwy (Spirdingsee), per Hausboot zu erkunden.

Bootsfahrt von See zu See

Bootsfahrt von See zu See

 

„Willkommen in Masurrren!“ Der rundliche Direktor des Promotionsbüros  Giżycko, Dr. Robert Kempa, empfängt uns herzlich in perfektem Deutsch mit rollendem R. Als wir wissen wollen, wieso er so gut deutsch spricht, lächelt er breit und meint: “Meine Mutter heißt Helga, das sagt doch alles!“

Wir treffen ihn an der neuen Ekomarina von Giżycko. „Dieses Gebiet war schon immer ein Paradies für Segler,  seit einigen Jahren ist es zum größten Hausbootrevier Polens geworden“, erzählt er, wobei er stolz die schicke Marina entlang schreitet. „Auf dem Hausboot können sechs Personen übernachten, es gibt eine Toilette mit kleiner Dusche und eine Küche für Selbstversorger. Das Beste ist: Sie brauchen keinen Bootsführerschein.“

Am Steg wird uns angst und bange, als bei der Übergabe  Paweł Petrusewicz, Besitzer von zwölf großen Hausbooten, eine kurze Einführung gibt. Wie sollen wir rückwärts aus dem Hafen kommen ohne Boote zu rammen? Dann kommt heraus, dass Stefan, einer aus unserer Gruppe, schon in Frankreich im Hausboot unterwegs war.

Am nächsten Morgen heißt es Leinen los, Fender hoch. Es geht los.  Stefan bewältigt mit Bravour die Ausfahrt aus dem Hafen auf den See. „Learning by doing“ ist nun das Motto.

Kapitän Stefan mit Seen-Landkarte

 

Kapitän Stephan mit Seeen-Landkarte

Nachdem die Manövrierunsicherheit sich etwas gelegt hat, kommt der Genuss. Wir haben Glück, das Wetter könnte nicht besser sein mit knallblauem Himmel und  Wattewolken. Wir tuckern vorbei an gelben Rapsfeldern, an dichten Laubwäldern, vorbei an unberührter, dünn besiedelter Natur. Nach einer Weile werfen wir Anker, stellen den Motor ab, denn was gibt es Schöneres, als auf dem See an Deck im Sonnenschein zu frühstücken. Pawel hat uns nicht nur einen gefüllten Kühlschrank beschert, ein riesiger, geräucherter Aal ist sein Gastgeschenk, denn hauptberuflich ist er in der Fischerei tätig. Während wir genüsslich speisen, umfliegen uns Möwen und Graureiher, hoch oben am Himmel laut schnatternd ein Flock Graugänse. Schwäne nisten im Schilf.

Die Fahrt geht weiter in der durch Bojen gekennzeichneten Fahrtrinne.  Dichte Wälder, Sumpfgebiete, grüne Hügellandschaften prägen diesen polnischen Teil des ehemaligen Ostpreußens. Unsere Bootstour durch verwunschene Auenwälder mit uralten Baumriesen wird zum Naturerlebnis.

mit dem Hausboot durch die masurische Seenplatte

Mit dem Hausboot durch die Masurische Seenplatte

 

Unser erstes Ziel ist Ryn (Rhein), wo wir in einem Restaurant am See lunchen und anschließend die gewaltige Ordensritterburg aus dem 14. Jh. besichtigen, die zum Hotel umfunktioniert wurde. Wir tuckern weiter nach Mikołajki (Nikolaiken), idyllisch zwischen zwei Seen gelegen.  Der ehemalige Fischerort hat sich zu einem der beliebtesten Sommerferienorte Polens gemausert. Schon von weitem ist der nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erbaute Turm der  Dreifaltigkeitskirche sichtbar. Wir schlendern die Uferpromenade entlang und durch Gassen, die fast südländisches Flair vermitteln. In Mikołajki lebt Pawel, der Bootsbesitzer, der uns stolz sein neues Projekt zeigt: ein schwimmendes Fischrestaurant auf dem See.

Bevor wir uns in unsere Kojen verziehen, genießen wir den Abend an Deck mit polnischem Bier und Gesprächen. So erfahren wir von Wolf, einem weiteren Mitreisenden, dass sein Großvater ein Vertriebener aus Masuren war. „Er hat uns Enkeln  häufig voller Sehnsucht von seinem Leben in Masuren erzählt“.

Wir begegnen sehr freundlichen Menschen, aber man spürt eine gewisse Melancholie durch das Leid, dass dieses Volk durch Kriege und Besatzung immer wieder ertragen musste. In Westmasuren befindet sich übrigens die „Wolfsschanze“, wo im sogenannten Führerhauptquartier das Attentat auf Adolf Hitler scheiterte.

Mikołajki (Nikolaiken),

 

Idyllischer Ort Mikolajki (Nikolaiken)

 

Wir schippern weiter zum riesigen Spirdingsee, um dann zurück in Rydzewo beim Restaurant „Zum Schwarzen Schwan” (Pod Czarnym Łabędziem) zu ankern. Am Ufer hocken Angler, die uns zuwinken, ein Seeadlerpärchen schwebt über unseren Köpfen auf der Suche nach  Beute.

allgegenwärtig in Polen- der Storch

Allgegenwärtig in Polen – der Storch

 

Zurück in Giżycko (Lötzen) werden wir von Robert Kempa bereits erwartet. Anerkennend beobachtet er unsere Manövrierkunst. „Wie hat Ihnen die Bootstour gefallen?“

„ Trrrraumhaft“, antworten wir im Chor.

 

Infos zu Masuren:

Polnisches Fremdenverkehrsamt www.polen.travel.de

Anreise

Flug nach Danzig (Gdańsk) ab Lübeck mit Wizzair. Weiter per Bahn ab Gdańsk nach Giżycko (ca. 4 h 20- 5h) oder  Mietwagen ab Airport  Gdańsk- Giżycko ca. 290 km, 3,5 h.

Vermietung von Hausbooten:

www.polen-hausboote.de

www.hausboote-masuren.de